Hauskauf annullieren wegen Magnetfelder der Trafostation?

by | Jan 12, 2023

Kürzlich rief mich ein besorgter Familienvater an, der mit seiner Frau im Begriff stand, ein Reihenhaus in einer neuen Überbauung zu kaufen.

Die Vertragsunterzeichnung stand kurz bevor und er hatte plötzlich bemerkt, dass ihr Haus gleich neben die Trafostation zu stehen kommt.

Was ich tun würde, wenn es meine Familie wäre, wollte er wissen…sie freuten sich alle sehr auf dieses Haus…

Huch! Was für eine Frage. Und was für Konsequenzen! Es gibt einfachere Mandate…

Selber Elektroingenieur, kann man ihm nicht gerade unrealistische Überängstlichkeit unterstellen, so habe ich mir das Ganze mal genau angehört. Ich merkte, dass er wirklich grosse Bedenken hatte und empfahl ihm, die Felder mal (mit einem seriösen Messgerät natürlich!) zu messen und mit dem zu vergleichen, was wir sonst im Alltag so um die Ohren haben. Die Neugierde hatte mich selber gepackt und wenn schon ein Messgerät vorhanden ist…

Soll man wegen einer vielleicht unnötigen Angst den grossen Wohntraum einfach fallen lassen? Wohnen hat ja auch viel mit Lebensqualität zu tun…vielleicht mehr als ein paar Magnetfelder – ganz abgesehen von all dem Zeugs, dem wir uns freiwillig permanent aussetzen.

24h-Bestrahlung

Und doch: Die ganze Familie ist diesen Feldern nonstop ausgeliefert. Wie ist das mit den Langzeitstudien und der Leukämie im Kindesalter?

Und dann die Angst: Wenn die Eltern wegen der Bedenken nicht mehr richtig schlafen können, ist das dann nicht ebenso gesundheitsschädlich wie die Strahlung? Bei niederfrequenten Feldern helfen all die teuren Kupfervorhänge und Silberpyjamas nichts, auch wenn von den Verkäufern anderes behauptet wird.

Was dabei herauskam

Ein komplexes psycho-sozial-technisches Thema. Die Messungen haben gezeigt, dass die Belastungswerte zwar deutlich höher sind als in einem «normalen» Haus, aber einiges kleiner als die Richtwerte, die seit 24 Jahren für Computerarbeitsplätze gelten. Und denen sind hunderte Millionen Menschen seit Jahrzehnten ausgesetzt.

Es wurde vor Ort gemessen und mit verschiedenen Grenzwerten verglichen…dabei stellte sich heraus: Es war keine Trafostation! Was das wohl für ein Häuschen war?

Die Familie hat sich für den Hauskauf entschieden. Hätte ich auch getan…

Die Messung

Bei der Messung wurde festgestellt, dass es sich nicht um eine Trafostation handelt, sondern um die Pumpe für die Fernwärme der ganzen Überbauung, welche aktuell zu ca. 50% fertiggestellt ist.

Durch die Magnetfeldmessung konnte einfach herausgefunden werden, dass die Leitung mit der Stromversorgung der Pumpe wenige Meter vor dem zukünftigen Haus vorbeiführt und im geplanten Wohnzimmer eine magnetische Flussdichte von 80 Nanotesla bewirkt.

Bei einer Trafostation wäre die Messung deutlich aufwändiger. Da müsste über 24 Stunden oder noch besser über 7 Tage gemessen werden. Zusätzlich hätte man die Werte hochrechnen müssen, weil ja erst die halbe Überbauung steht. Und wie viele Elektroautos zukünftig in der Garage geladen werden könnten, wird wohl auch noch nicht genau feststehen.

Bei der Pumpe ist das einfacher. Die Stromaufnahme und damit das Magnetfeld wird nicht zunehmen, sondern die Einschaltzeit einfach länger sein.

Welche Grenzwerte soll man nun zur Hand nehmen?

Würde es sich um einen Arbeitsplatz handeln, wären nach europäischen Richtlinien 1’000’000 Nanotesla erlaubt, in der Schweiz 500’000. Für die Bevölkerung gilt (CH&EU) ein Wert von 100’000 Nanotesla.

Bemerkenswert ist dabei, dass in der Schweiz ein sogenannter Anlagengrenzwert dafür sorgt, dass beispielsweise ein einzelnes Trafohaus nicht zu höheren Feldern als 1’000 nT führen darf.

Der gemessene Wert ist also viel kleiner als der tiefste Grenzwert. Weshalb soll man sich also Sorgen machen?

Baubiologen empfehlen Werte im Schlafbereich von höchstens 100 Nanotesla, die TCO99 für Computerarbeitsplätze setzt die Schwelle bei 200. Woher kommen solche Unterschiede? Elektromagnetische Felder gibt es ja nicht erst seit gestern.

Über die Entstehung von Grenzwerten

Welche magnetischen Feldstärken zu unmittelbaren Schäden führen, lässt sich leicht herausfinden, nur sagt das wenig darüber aus, was bei Langzeitexposition passiert.

Woher kommen also die geltenden Grenzwerte?

Wie viele kg kann ich auf meinen grossen Zeh stellen, ohne dass etwas kaputtgeht? Angenommen es wären 100 kg, dann würde das zwar sehr schmerzen, aber beim Entfernen des Gewichts wäre alles wieder okay. Das nennt man eine sensorische Wirkung. Ursache weg – Wirkung weg.  

Und wann gibt es gesundheitliche Wirkungen?

Eine Methode, die bei den elektromagnetischen Feldern verwendet wird, ist diese:

Man dreht das Feld hoch, bis die Sehnerven anfangen zu flimmern (das sind die ersten wahrnehmbaren Sinnesbeeinträchtigungen) und dann teilt man den Wert durch 50. Dieser Wert wird dann «wahrscheinlich» keine Langzeitschäden bewirken.

Zurück zu den 100 kg:

Das würde also bedeuten, dass ich Tag und Nacht 100 kg/50, also 2 Packungen Milch auf meinem Zeh stehen hätte und annehmen würde, dies hätte keine Langzeitfolgen. Wenn ich mir bedenke, was mein Fuss nach 6 Stunden in drückenden Skischuhen sagt…

Dieses Beispiel veranschaulicht, weshalb die Empfehlungen, die von zahlreichen Studien abgeleitet werden, sich um Faktoren voneinander unterscheiden. Es ist wirklich gar nicht so einfach…

Welche Grenzwerte soll ich also zu Hilfe nehmen, wenn mich jemand vor die anfangs erwähnte Frage stellt?

Es gibt das sogenannte TCO99-Prüfsiegel der schwedischen Gewerkschaft. Dies ist ein seit 24 Jahren breit angewandter Standard, der die Aussendung von elektromagnetischen Feldern von Büro-Elektronik (vor allem Bildschirmen) spezifiziert.

Zwar kann niemand garantieren, welche Feldstärken wirklich gar keinen Langzeiteinfluss auf die Gesundheit haben, aber es ist doch sehr beruhigend zu wissen, dass Billionen von Arbeitsstunden unter Einhaltung dieser Werte nicht zum Ende der Menschheit geführt haben.

Mit den gemessenen 80 nT waren wir also mehr als 2x tiefer als dieser Wert, was doch schon etwas aussagt.

Wen es interessiert, wo im Leben man welchen Werten ausgesetzt ist, findet eine sehr gute Zusammenstellung auf dem deutschen EMF-Portal: https://www.emf-portal.org/de/emf-source/a

Und nicht vergessen: Ab und zu den kleinen Strahler in unserer Hosentasche freiwillig beiseitelegen, denn der kann uns auch wegen anderer Dinge als der Strahlen manchmal den Schlaf rauben…

Elektrosmog ist zwar unsichtbar, aber messbar!

Leiden Sie selbst unter unerklärlichen Krankheitssymptomen und verdächtigen Elektrosmog? Oder wüssten Sie einfach gerne einmal, wo bei Ihnen zu Hause die Strahlungsquellen stecken? Zögern Sie nicht, lassen Sie die Felder jetzt vom Elektroingenieuren messen.

Patrick Ziegler

Unterstützt Unternehmen dabei, elektromagnetische Felder im Griff zu haben, für mehr Zuverlässigkeit und Sicherheit in ihren Produkten.

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