CE-Kennzeichnung: Ein gefährlicher Irrtum bei EMV

by | Dez 5, 2024

Stellen Sie sich vor, jemand würde eine Brücke nur aus LEGO-Steinen bauen. Jeder Stein ist geprüft, zertifiziert und trägt ein CE-Zeichen. Würden Sie mit Ihrem Auto darüber fahren? Wahrscheinlich nicht – und das aus gutem Grund. 

Die Stabilität einer Brücke hängt nicht nur von der Qualität der Einzelteile ab, sondern auch davon, wie diese zusammengesetzt werden. Genau diesen Fehler begehen viele bei der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV): Einzelne Bauteile sind CE-zertifiziert, aber beim Zusammenbau zur kompletten Anlage werden die Herstellervorgaben oft ignoriert. Das Ergebnis? EMV-Störungen und das Risiko, dass die gesamte Anlage nicht mehr CE-konform ist. 

Der Irrtum: «Einzelne CE-Zeichen reichen aus»

Das CE-Zeichen auf einer Komponente bedeutet, dass dieses Bauteil unter bestimmten Bedingungen die geltenden Richtlinien erfüllt. Doch bei der Integration in ein System entsteht eine neue Gesamtheit, die erneut geprüft werden muss. 

In der Praxis führt dieser Irrglaube zu teuren und oft vermeidbaren EMV-Problemen:

  • Kabel werden falsch verlegt und stören empfindliche Geräte. 
  • Schirmungsmaßnahmen werden unzureichend umgesetzt. 
  • Geräte innerhalb der Anlage verursachen gegenseitige Störungen. 
  • Filter werden unwirksam eingebaut

Die Lösung: Frühzeitige Planung und eine gezielte EMV-Schulung, um Probleme von Anfang an zu vermeiden. 

Die häufigsten EMV-Störungen – und wie Sie sie vermeiden

1. Zu spät anfangen: Der Klassiker unter den EMV-Problemen

Häufig wird die EMV erst beachtet, wenn die ersten EMV-Störungen auftreten. Zu diesem Zeitpunkt sind kostspielige Nachbesserungen unausweichlich. Der richtige Ansatz? EMV sollte bereits in der frühen Planungsphase ein integraler Bestandteil sein, inklusive EMV-Schulungen und Beratungen. 

2. Symptombekämpfung statt Ursachenanalyse

Anstatt die Ursache zu beheben, werden nur die Symptome behandelt, etwa durch Austausch von Kabeln oder zusätzliche Filter. Dies ist, wie bei einem undichten Dach nur die Tropfstellen abzudichten, ohne das Leck zu finden. 

3. Störungen haben keinen Rückwärtsgang

Störungen nehmen nicht den kürzesten Weg zurück zur Quelle, sondern denjenigen mit der niedrigsten Impedanz. Fehlende niederinduktive Verbindungen und unsauber geführte Kabel erhöhen das Risiko, dass sie ungewollt auf andere Leiter überspringen. Eine strukturierte Leitungsführung kann diese Probleme minimieren. 

4. Pigtails: Ein fataler Fehler

Unsachgemäße Schirmanschlüsse – sogenannte „Pigtails“ – erhöhen die Störpegel erheblich. Stattdessen sind 360°-Rundumverbindungen bei Kabelschirmen essenziell, insbesondere bei Störquellen wie Antriebssystemen. 

5. Spaghettata im Schaltschrank: Ein klassisches EMV-Problem

Kabel, die kreuz und quer verlaufen, können EMV-Probleme erheblich verschärfen. Saubere Leitungsführung, ausreichend Abstand zwischen „giftigen“ und empfindlichen Leitungen sowie die Führung nahe an metallischen Oberflächen schaffen Abhilfe. 

Wie Sie EMV-Störungen vermeiden können: Mit der richtigen Schulung zum Erfolg

Die Lösung liegt in einem systematischen Ansatz. Die EMV-Seminare von Creafield vermitteln Ihnen praxisnah, wie Sie EMV-Probleme erkennen und beheben, bevor sie entstehen. 
Was Sie in unserem EMV-Kurs lernen:

  • Grundlagen der EMV und ihre praktische Anwendung. 
  • Integration von Komponenten für CE-konforme Anlagen. 
  • Tipps zur sauberen Leitungsführung und Störvermeidung. 

Mit einer fundierten EMV-Online-Schulung oder einem speziell auf Ihre Situation zugeschnittenen EMV-Kurs gewinnen Sie das nötige Know-how, um teure Nacharbeiten zu vermeiden und störungsfreie Anlagen zu designen. 


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Patrick Ziegler

Unterstützt Unternehmen dabei, elektromagnetische Felder im Griff zu haben, für mehr Zuverlässigkeit und Sicherheit in ihren Produkten.

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